Jahresauftakt in Bornstein

ODER Wie funktioniert eigentlich ein Akkordeon-Orchester?

Am vergangenen Samstag (21.01.2012) durften wir unseren Jahresauftakt im gemütlichen Landgasthof Arp in Bornstein geben. Konzertanlass  war ein 3-Gänge-Menü für die Gäste, das wir in dem großen Saal mit seiner fabelhaften Akustik musikalisch untermalen sollten.

Das ist für ein Orchester gar nicht so einfach, schließlich sind wir es eher gewohnt, uns auf großen Veranstaltungen wie Stadtfesten oder der Kieler Woche zu präsentieren. Somit hatten wir für den musikalischen Teil während des Menüs recht zarte Stücke ausgesucht. Doch auch bei diesen ersten Stücken merkten wir schnell, dass uns das etwa 40-köpfige Publikum sehr wohl gesonnen war. Den Löffel noch fast im Mund, gab es nach jedem Stück anerkennenden Applaus. Dies ermunterte uns nach der Pause, in der auch wir das wieder sehr schmackhafte Essen genießen durften, das schon bekannte „Wunschkonzert“ anzukündigen. Satt, zufrieden aber gar nicht schläfrig, nahmen unsere Gäste die Gratis-Animation dankbar an und schnell sprang der Funke so gänzlich über. Da wurde im Saal lautstark abgestimmt, ob nun als nächstes die „Carpenters“ erklingen oder das seit vermutlich zwei Jahren nicht geprobte, aber wirkungsvolle Klezmer-Musical „Anatevka“. Doch damit nicht genug. Auch nachdem das Publikum den „Trick“ hinter dem Wunschkonzert verstanden hatte (letztendlich geht es doch nur um die Reihenfolge, in welcher wir unser Repertoire spielen…), wurde der Abend zunehmend lebhafter. Wir Spieler protestierten lautstark, als unser Dirigent das gefühlt stundenlange maritime Potpourri anzählen wollte und auch der schulterzuckende Erklärungsversuch dem Publikum gegenüber konnte uns nicht davon abbringen, zunächst mit „Mazeltow“, einer rasanten Klezmer-Komposition, zum Mitklatschen aufzufordern. Mazeltow war zudem ein spezieller Wunsch einer Besucherin vom letzten Mal gewesen, sodass wir hier im Vorfeld noch eine Extra-Probe eingelegt hatten. Der gute Draht zwischen uns zu den Gästen ergab sich zudem dadurch, dass Hans-Jürgen Schröder in kleinen Sequenzen die Funktionsweise unseres Orchesters und des Akkordeons im Speziellen erläuterte und wir dies mit Klangbeispielen unsererseits untermalten. Die eine oder andere kleine Panne im Spielerbereich, die das Publikum gar nicht mitbekam, sorgte auch unter uns für besonders gute Laune und Spielfreude. Plastiknotenständer sind erfahrungsgemäß nicht für 5-Kilogramm schweres Notenmaterial ausgelegt…

Richtig Stimmung ging durch den Saal, als wir – nun doch – die maritimen Lieder wie Biskaya anstimmten und die Gäste an den Tischen sich einhakten und im Takt schunkelten sowie bei „Nachts auf der Reeperbahn“ aus vollem Halse und textsicher mitsangen.

Das ursprüngliche Ende des Abends war schon längst verstrichen und auch nach dem weiteren Publikumswunsch „Weiße Mäuse“ mit unseren Solisten Meike Salzmann und Carl Hendric Scharf, wollten die Gäste den schönen Abend noch nicht beenden. Erst des Wirtes unauffällige Aufforderung an unseren Dirigenten, so langsam zum Ende zu kommen, ließ uns allmählich die letzten Takte anklingen.

Erschöpft aber glücklich und zufrieden packten wir somit am späten Abend unsere Sieben-Sachen und warten bereits jetzt auf den 15.12.2012, denn da heißt es wieder: Bühne frei bei Familie Arp in Bornstein. Wir freuen uns schon heute!

Inga Effenberger